Ein Arbeitszeugnis anfordern sollten Sie nicht dem Zufall überlassen – ein gut formuliertes Schreiben ist der erste Schritt zu einem aussagekräftigen Zeugnis. Ein Arbeitszeugnis ist mehr als eine Formalie: Es ist Ihre Visitenkarte für zukünftige Arbeitgeber und kann den Unterschied bei der nächsten Bewerbung ausmachen. Deshalb ist es entscheidend, dass Sie Ihre Anforderung klar formulieren und auf die richtigen Elemente achten. In diesem Beitrag erhalten Sie ein Muster-Schreiben und eine Schritt-für-Schritt-Erklärung, worauf es beim Anfordern wirklich ankommt.
Wann ein Arbeitszeugnis nötig ist
Grundsätzlich haben Sie nach dem Ende eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Das gilt unabhängig davon, ob Sie gekündigt haben, gekündigt wurden oder ein Aufhebungsvertrag geschlossen wurde. Auch bei einem befristeten Vertrag, der ausläuft, steht Ihnen ein Zeugnis zu, sofern Sie nicht bereits ein Zwischenzeugnis erhalten haben. Oft ist das Zeugnis auch die Grundlage für Weiterbewerbungen oder für die Verhandlung einer Abfindung. Je früher Sie das Zeugnis anfordern, desto besser – so bleibt Ihnen Zeit für Rückfragen und mögliche Korrekturen.
Wenn Sie eine Kündigung anfechten möchten, sollten Sie sich parallel mit der Kündigungsschutzklage vertraut machen. Für den Fall, dass Sie eine Abfindung anstreben, informieren Sie sich über die Abfindung nach Kündigung – beides kann Ihre nächsten Schritte beeinflussen. Auch das Thema Urlaubsabgeltung nach Kündigung kann für Sie relevant sein, wenn Sie noch offene Urlaubsansprüche haben.
Arbeitszeugnis anfordern: Das Musterschreiben
Im Folgenden finden Sie ein Muster für Ihr Anforderungsschreiben. Passen Sie die Platzhalter in eckigen Klammern an Ihre persönliche Situation an. Das Muster dient nur der Orientierung, ersetzt keine individuelle Rechtsberatung und garantiert keinen bestimmten Erfolg.
[Ihr Name]
[Ihre Adresse]
[PLZ Ort]
[Ihre E-Mail]
[Ihre Telefonnummer][Name des Unternehmens]
[Abteilung/Ansprechpartner]
[Adresse]
[PLZ Ort][Ort, Datum]
Betreff: Anforderung meines Arbeitszeugnisses
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit bitte ich Sie, mir ein qualifiziertes Arbeitszeugnis über meine Tätigkeit bei [Firma] auszustellen. Ich war vom [Beginn der Beschäftigung] bis zum [Ende der Beschäftigung] als [Ihre Position] beschäftigt.
Bitte senden Sie mir das Zeugnis bis zum [Wunschdatum] an [Ihre E-Mail oder Postanschrift]. Ich bitte um eine zeitnahe Bearbeitung.
Vielen Dank für Ihre Mühe.
Mit freundlichen Grüßen
[Ihr Name]
Die einzelnen Bestandteile im Detail
Ein formvollendetes Schreiben hat mehrere Bausteine, die Sie bewusst gestalten sollten. Jedes Element erfüllt eine bestimmte Funktion und signalisiert dem Arbeitgeber, dass Sie Ihre Rechte kennen.
Absender und Empfänger
Geben Sie Ihre vollständigen Kontaktdaten an – das erleichtert die Zuordnung. Ebenso wichtig ist die korrekte Anschrift des Unternehmens. Wenn Sie den zuständigen Ansprechpartner aus der Personalabteilung kennen, adressieren Sie das Schreiben direkt an diese Person. So stellen Sie sicher, dass Ihre Anfrage nicht in der Poststelle verloren geht. Überlegen Sie auch, ob Sie das Schreiben per Einschreiben versenden, um den Zugang nachweisen zu können.
Betreffzeile
Der Betreff sollte eindeutig sein. „Anforderung meines Arbeitszeugnisses“ ist klar und lässt keinen Zweifel an Ihrem Anliegen. Vermeiden Sie zu allgemeine Formulierungen, damit das Schreiben direkt richtig zugeordnet wird. Eine präzise Betreffzeile erleichtert auch die spätere Korrespondenz, falls es Rückfragen gibt.
Der Textkörper
Nennen Sie den Zeitraum Ihrer Beschäftigung und Ihre Position. Formulieren Sie höflich, aber bestimmt. Wenn Sie ein qualifiziertes Arbeitszeugnis möchten, sagen Sie das ausdrücklich – darin werden Leistung und Verhalten ausführlich beschrieben. Ein einfaches Zeugnis enthält nur Beginn, Ende und Art der Tätigkeit. In den meisten Fällen ist das qualifizierte Zeugnis sinnvoll, da es für Bewerbungen aussagekräftiger ist. Sie können auch ein Zwischenzeugnis anfordern, falls Sie noch im Unternehmen sind – das ist aber ein anderes Thema.
Wichtig: Sie können auch um ein Zwischenzeugnis bitten, falls Sie noch im Unternehmen sind. Beim Arbeitszeugnis anfordern nach einer Kündigung ist jedoch meist das Endzeugnis gemeint. Wenn Sie sich unsicher sind, welche Art von Zeugnis Sie benötigen, fragen Sie im Zweifel nach. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht kann hier ebenfalls Klarheit schaffen.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr bisheriges Zeugnis falsch oder unvollständig ist, können Sie eine Korrektur verlangen. Dafür sollten Sie allerdings konkrete Angaben machen und begründen, warum Sie die Korrektur wünschen. Eine bloße Unzufriedenheit reicht nicht aus – Sie müssen nachvollziehbare Gründe nennen.
Frist und Zustellung
Setzen Sie eine realistische Frist, zum Beispiel zwei Wochen. Bedenken Sie, dass der Arbeitgeber normalerweise Zeit für die Erstellung benötigt, insbesondere wenn er viele Mitarbeiter betreut. Wählen Sie eine Zustellart, die Ihnen Sicherheit gibt – etwa per E-Mail mit Lesebestätigung oder per Einschreiben. Bewahren Sie eine Kopie Ihrer Anforderung auf, um später nachweisen zu können, dass Sie das Zeugnis verlangt haben. Auch ein Termin für die Zustellung des Zeugnisses selbst kann sinnvoll sein.
Worauf Sie sonst noch achten sollten
Neben den formellen Bestandteilen gibt es weitere Aspekte, die Ihre Chancen auf ein gutes Zeugnis erhöhen. Achten Sie darauf, dass Ihr Name und alle Daten im Zeugnis korrekt geschrieben sind. Auch die Unterschrift und das Datum des Unternehmens dürfen nicht fehlen. Überprüfen Sie, ob die Formulierungen wohlwollend sind – versteckte Andeutungen wie „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ können negativ ausgelegt werden. Ein gut formuliertes Zeugnis enthält positive Aussagen zu Ihrer Leistung und Ihrem Verhalten.
Wenn Sie beim Arbeitszeugnis anfordern keine Antwort erhalten, können Sie nachfassen. Ein freundliches Erinnerungsschreiben zeigt, dass Sie es ernst meinen. In hartnäckigen Fällen kann auch eine rechtliche Beratung sinnvoll sein – etwa im Rahmen eines Verfahrens vor dem Arbeitsgericht. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht kann Ihre Ansprüche durchsetzen, wenn der Arbeitgeber sich weigert. Auch die Unterstützung durch einen Prozessfinanzierer wie RechtStark kann in Betracht kommen, wenn es um die Durchsetzung von Ansprüchen geht.
Fazit
Ein klar formuliertes Anforderungsschreiben ist der erste Schritt zu einem aussagekräftigen Arbeitszeugnis. Nutzen Sie unser Muster als Orientierung, passen Sie es individuell an und scheuen Sie sich nicht, auf Vollständigkeit und Wohlwollen zu bestehen. Denken Sie daran: Dieses Muster ersetzt keine Rechtsberatung und garantiert keinen bestimmten Ausgang. Informieren Sie sich bei Bedarf über weiterführende Themen wie Kündigungsschutz oder Abfindung, um Ihre Rechte vollständig zu wahren.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Für eine kostenlose Ersteinschätzung, ob eine Prozessfinanzierung für Ihren Fall infrage kommt, können Sie sich an RechtStark wenden.