Fehler beim Aufhebungsvertrag können teuer werden – doch die meisten lassen sich vermeiden. Viele Arbeitnehmer unterschreiben in einer Drucksituation und geben dabei Rechte auf, die sie nicht zurückbekommen. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen die häufigsten Fehler und wie Sie sie umgehen, damit Sie finanziell und rechtlich gut dastehen.
Zu schnell unterschreiben – keine Bedenkzeit einplanen
Warum passiert das? Arbeitgeber setzen oft Zeitdruck auf, indem sie eine kurze Frist setzen oder mit einer Kündigung drohen. Viele Arbeitnehmer machen Fehler beim Aufhebungsvertrag, weil sie dem Zeitdruck nachgeben und zu schnell unterschreiben. Die Folge: Sie verzichten auf Ihren Kündigungsschutz, denn mit dem Aufhebungsvertrag ist eine spätere Kündigungsschutzklage in der Regel ausgeschlossen. Auch Ansprüche auf Urlaubsabgeltung oder Überstunden können verloren gehen, wenn der Vertrag unklar formuliert ist.
Wie es besser geht: Nehmen Sie sich mindestens 24 Stunden Bedenkzeit. Lassen Sie sich den Vertrag aushändigen und lesen Sie ihn gründlich. Holen Sie sich rechtlichen Rat, bevor Sie unterschreiben. Wenn Sie unsicher sind, ob ein Aufhebungsvertrag überhaupt die richtige Lösung ist, finden Sie auf unserer Seite zur Kündigungsschutzklage einen Überblick über Ihre Optionen.
Fehler beim Aufhebungsvertrag: Keine Abfindung verhandeln
Warum passiert das? Viele Arbeitnehmer glauben, dass sie keinen Anspruch auf eine Abfindung haben, oder sie nehmen das erste Angebot des Arbeitgebers an, ohne zu verhandeln. Manche haben Angst, dass eine Verhandlung den Deal platzen lässt. Die Folge: Sie verschenken Geld, das Sie möglicherweise bekommen hätten. Eine Abfindung ist zwar kein automatischer Anspruch, aber sie ist fast immer verhandelbar – insbesondere wenn der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis beenden möchte.
Wie es besser geht: Informieren Sie sich über übliche Richtwerte, etwa eine halbe bis eine Bruttomonatsvergütung pro Beschäftigungsjahr. Nutzen Sie diese als Ausgangspunkt für Verhandlungen. Wie Sie dabei geschickt vorgehen, erfahren Sie in unserem Artikel Abfindung verhandeln. Einen umfassenden Überblick über alle Aspekte der Abfindung finden Sie auf unserer Seite Abfindung nach Kündigung.
Die Sperrzeit beim Arbeitslosengeld nicht bedenken
Warum passiert das? Viele wissen nicht, dass ein Aufhebungsvertrag zu einer Sperrzeit beim Arbeitslosengeld führen kann, wenn Sie die Arbeitslosigkeit selbst herbeigeführt haben. Das gilt insbesondere, wenn der Vertrag ohne wichtigen Grund geschlossen wird. Die Folge: Sie erhalten für mehrere Wochen kein Arbeitslosengeld – das kann schnell mehrere tausend Euro kosten, mehr als die Abfindung oft einbringt.
Wie es besser geht: Klären Sie vor der Unterschrift, ob eine Sperrzeit droht. In manchen Fällen lässt sie sich vermeiden, wenn der Aufhebungsvertrag bestimmte Formulierungen enthält, etwa dass die Auflösung aus betrieblichen Gründen erfolgt. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Aufhebungsvertrag nicht unterschreiben, der die Risiken ausführlich erklärt.
Die Formulierung des Aufhebungsvertrags nicht genau prüfen
Warum passiert das? Man vertraut dem Arbeitgeber und liest den Vertrag nur oberflächlich. Oder man versteht die juristischen Formulierungen nicht. Die Folge: Es können nachteilige Klauseln enthalten sein, etwa ein Wettbewerbsverbot, eine Rückzahlung von Fortbildungskosten oder eine Abgeltungsklausel, die offene Ansprüche ausschließt. Auch unklare Regelungen zu Zeugnissen oder zur Freistellung können später zu Problemen führen.
Wie es besser geht: Lassen Sie den Vertrag von einem unabhängigen Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen. Das kostet etwas, kann aber teure Fehler vermeiden. Achten Sie besonders auf Klauseln, die Ihre Rechte einschränken. Prüfen Sie auch, ob der Vertrag eine sogenannte Ausgleichsklausel enthält, die alle Ansprüche abgilt – das kann bedeuten, dass Sie auf offene Lohnzahlungen oder Urlaubsabgeltung verzichten. Ein Anwalt kann Ihnen helfen, solche Fallstricke zu erkennen und zu verhandeln.
Keine Rechtsberatung einholen
Warum passiert das? Viele scheuen die Kosten oder glauben, dass sie die Situation selbst einschätzen können. Manche haben auch Angst, dass ein Anwalt die Sache unnötig verkompliziert. Die Folge: Ohne fachkundige Beratung übersehen Sie häufig Fallstricke und verlieren Ansprüche, die Sie hätten geltend machen können. Ein Anwalt kann auch bei den Verhandlungen helfen und Ihnen eine realistische Einschätzung geben, was Sie tatsächlich erreichen können.
Wie es besser geht: Suchen Sie sich einen unabhängigen Fachanwalt für Arbeitsrecht. Viele bieten eine kostenlose Ersteinschätzung an. Die Kosten für eine Beratung sind gut investiert, wenn Sie dadurch eine höhere Abfindung oder weniger Nachteile erhalten. Bedenken Sie: Rechtsschutzversicherungen übernehmen in vielen Fällen die Kosten, und auch ein Prozessfinanzierer wie RechtStark kann helfen, das finanzielle Risiko einer Auseinandersetzung zu minimieren – ohne dass Sie selbst in Vorkasse gehen müssen.
Steuerliche Auswirkungen der Abfindung ignorieren
Warum passiert das? Viele Arbeitnehmer denken nur an den Bruttobetrag und nicht an die Steuern, die darauf anfallen. Die Folge: Eine hohe Abfindung kann in eine hohe Steuerprogression fallen. Ohne die sogenannte Fünftelregelung, die eine Steuerermäßigung ermöglicht, zahlen Sie unter Umständen deutlich mehr Steuern als nötig. Auch Sozialabgaben können anfallen, wenn die Abfindung nicht richtig strukturiert ist.
Wie es besser geht: Lassen Sie sich von einem Steuerberater oder Anwalt beraten, wie Sie die Abfindung steuerlich optimal gestalten können. Oft lässt sich die Steuerlast durch geschickte Vertragsgestaltung reduzieren. Beispielsweise kann die Auszahlung auf mehrere Jahre verteilt werden, um die Progression zu glätten. Informieren Sie sich frühzeitig, denn nachträgliche Änderungen sind meist nicht mehr möglich. Auch hier gilt: Ein unabhängiger Experte kann Ihnen helfen, die besten Entscheidungen zu treffen.
Den Zeitpunkt des Ausscheidens nicht beachten
Warum passiert das? Der Arbeitgeber schlägt einen Termin vor, und man stimmt zu, ohne an offene Ansprüche zu denken. Die Folge: Sie verlieren möglicherweise Geld für nicht genommenen Urlaub, Überstunden oder eine noch ausstehende Bonuszahlung. Auch die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall kann betroffen sein. Zudem kann der Zeitpunkt Einfluss auf Ihre Rentenansprüche oder die Krankenversicherung haben.
Wie es besser geht: Prüfen Sie vor der Unterschrift, welche Ansprüche Sie noch haben, und lassen Sie diese vertraglich festhalten. Vereinbaren Sie, dass alle offenen Ansprüche ausgezahlt werden. Klären Sie auch, ob der Aufhebungsvertrag zum Monatsende oder zu einem anderen Datum wirksam wird – das kann für Ihre Sozialversicherung entscheidend sein. Wenn Sie den genauen Zeitpunkt selbst bestimmen können, nutzen Sie das, um Lücken in der Sozialversicherung zu vermeiden.
Fazit
Ein Aufhebungsvertrag kann eine pragmatische Lösung sein, aber nur, wenn Sie die häufigsten Fehler beim Aufhebungsvertrag vermeiden. Nehmen Sie sich Zeit, holen Sie sich professionellen Rat und verhandeln Sie Ihre Konditionen. Wenn Sie unsicher sind, ob ein Aufhebungsvertrag die richtige Wahl ist, vergleichen Sie die Optionen mit einer Kündigungsschutzklage. Unsere Artikel zu diesem Thema helfen Ihnen dabei, eine fundierte Entscheidung zu treffen – und im Zweifel ist ein unabhängiger Fachanwalt für Arbeitsrecht der beste Ansprechpartner, um Ihre Rechte zu sichern.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Für eine kostenlose Ersteinschätzung, ob eine Prozessfinanzierung für Ihren Fall infrage kommt, können Sie sich an RechtStark wenden.